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Musikparade in Bielefeld - ein Bericht

von Christian Hölscher

Dietmar, Willi, Markus H. aus G. ;) und ich hatten gestern das Vergnügen, in Bielefeld die Internationale Musikparade 2005 sehen und hören zu dürfen. Los ging es um 16 Uhr in der Seidensticker-Halle.

Zur Eröffnung spielte ein "Nationenorchester". Dabei handelte es sich um eine Zusammenstellung von Musikern aus den beteiligten Orchestern, die ich hier gleich noch im einzelnen aufführe. Dieses Orchester stand unter der Leitung von Oberstleutnant Viliam Beres (Zentralorchester der Tschechischen Republik). Das Orchester spielte vorab den berühmten Marsch aus der Oper Aida. Es folgten deutsche Traditionsmärsche wie Gruß an Kiel, Frei Weg sowie Hoch Heidecksburg. Die Darbietung war sehr beeindruckend, waren hier doch Musiker aus aller Herren Länder beteiligt, die allesamt deutsche Märsche spielten - und zwar im Großen und Ganzen souverän. Das konnte sich hören lassen und war ein tolles Bild. Ein wenig Nervosität konnte man zu Beginn allerdings den Musikern schon anmerken, kurzzeitig waren bei einem Trompetensolo leichte Intonationsprobleme zu hören, die aber verschmerzenswert und wenig auffällig waren. In Bielefeld war schließlich die Auftaktveranstaltung zur Tournee, von daher ist es schon verständlich. Dazu kam, dass diese Formation zusammengewürfelt war aus allen Orchestern. Hut ab!

Es folgte das Militärorchester Nord-Ost aus Lyon (Frankreich) mit einem Programm aus vielen Stücken, die insbesondere durch eine sehr gut herausgearbeitete Show beeindruckte. Die Franzosen zeichneten sich durch teils sehr gewagte Marschformationen aus und boten ein exzellentes Programm. Trotzdem würde ich persönlich sagen, dass sie von den "klassischen" Orchestern, die an diesem Nachmittag/Abend zu sehen und zu hören waren, eher eher im hinteren Segment anzusiedeln waren, was die Darbietung angeht. Das musikalische Programm vielleicht etwas einseitig - so beeindruckend auch die Showdarbietung war.

Dann hieß es Bühne frei für die Military Brass Band Antonius aus den Niederlanden. In den typischen niederländischen Uniformen boten sie ein beeindruckendes Bild. Typisch niederländisch war auch die Besetzung dieser Formation. Auch bei dieser Formation stand die Show ziemlich im Vordergrund. Doch auch die Musik stimmte - eine gute Truppe!

Es folgten die Schotten mit den Rhine Area Pipes & Drums. Dudelsäcke und Schlagwerk und schottische Musik - sicherlich ein Erlebnis. Die Darbietung war einwandfrei. Eine derart exotische Formation ist allerdings festgelegt auf eine gewisse Sparte und kann daher auch kein so breitgefächertes Programm liefern wie ein klassisch besetztes Orchester. Von der Mannstärke her war diese Formation die kleinste beteiligte Gruppe.

Dann folgte mit dem Orchester des Militärbezirks Odessa (Ukraine) für mich der unbestrittene musikalische Höhepunkt des Konzerts. Live habe ich eine derart perfekte Darbietung noch von keinem Orchester gehört. Technisch, stilistisch, von der Intonation her - und überhaupt vom Auftreten her - einwandfrei und bewundernswert. Angekündigt war diese Formation mit den Vorweglorbeeren "eines der besten Militärorchester der Welt" - ich glaube das auf das Wort. Man merkte dem Orchester an, dass es sich intensivst auf diese Deutschlandtournee vorbereitet oder aber sich zumindest motiviert hatte. So wurde dann auch mal deutsch von einem Teil der Musiker zur Musik gesungen. Das Orchester hatte übrigens 3.500 Kilometer Anreise im Bus hinter sich - nonstop - 2 Tage und 2 Nächte. Kompliment! Beeindruckend! Gigantisch!

Nach einer 15-minütigen Pause folgte der deutsche Beitrag: die "Blauen Jungs", ein Chor (ja, ein Chor) der Deutschen Bundesmarine. Unbestritten unter uns vieren war das der musikalische Tiefpunkt des Konzerts. Sicherlich war hier auch die Technik mit einer der Schuldigen: die Halle wurde nicht unbedingt ideal beschallt - und das ist für einen Chor in einer großen Halle tödlich. Begleitet wurde der Chor von einem kleineren Ensemble (z.B. Trompete, Akkordeon, Schlagzeug). Die Tonabnahme erfolgte jedoch nur sehr einseitig: Das Akkordeon war wahrscheinlich selbst auf der Toilette noch zu hören, während beispielsweise das Schlagzeug fast nur zu sehen, aber weniger zu hören war. Das mag auch am Sitzplatz gelegen haben, aber so etwas darf einfach bei einem professionellen Konzert nicht sein. Die Moderation durch den Leiter dieser Formation war auch nicht unbedingt besonders gut, er war sehr schlecht zu verstehen. Das hatte zwar einerseits seine Ursache in der bereits erwähnten Beschallung, andererseits aber schien der Mann auch nicht besonders gut in der Lage zu sein, ein Mikrofon zu benutzen, darüber hinaus redete er zu nuschelig. Der Moderator des gesamten Konzerts, Björn Gehrmann, hatte bewiesen, dass es auch anders geht. Das alles ist noch zu verschmerzen. Das Bild, das die "Jungs" (es waren auch Damen darunter - wie auch in so ziemlich jeder Formation) abgaben, war beschämend. Was dort unter "Marschieren" lief, wäre bei uns Laien und mich "Ungedientem", also wenn wir es selbst täten, vielleicht noch als "marschieren" durchgegangen, aber was der Chor da ablieferte (wohlgemerkt: Marinesoldaten und -soldatinnen), das war bestenfalls ein Spazieren. Es spricht nichts dagegen, auch mal einen Chor auf so einer Veranstaltung zu bringen - aber das Niveau war mäßig. So ziemlich jeder engagierte Laien-Chor hätte eine vergleichbare Leistung geboten - von "Profis" hätte man mehr erwarten dürfen. In Erinnerung geblieben ist auch das permanente Gequatsche zweier junger Herren ;) dieser Formation, die neben der Zuschauertribühne (Block A) die anderen Orchester betrachteten und selig vor sich hinredeten und somit die Zuschauer störten - das darf und muss nun wirklich nicht sein. Disziplin gab es in dieser Truppe zumindest am gestrigen Samstag überhaupt nicht. Eine Schande, teilweise aus Kostengründen über die Schließung renommierter und exzellenter Heeresmusikkorps zu diskutieren, wenn so eine Formation aus Steuergeldern ihren Unterhalt betreibt...

Es folgte nach dieser peinlichen deutschen Entgleisung die 76th US Army Band aus den USA, die leider ein vergleichsweise nur sehr kurzes Programm präsentierte. Ein- und ausmarschiert wurde mit Marschleckerbissen von De Sousa. Die Präsentation war sehr souverän. Die Konzertschwerpunkte lagen einerseits auf Glenn Miller. Dargeboten wurden Klassiker wie "In the Mood" und viele andere Kompositionen dieses Ausnahme-Big-Band-Leiters. Neben der musikalisch wirklich tollen Präsentation wurde dem Publikum fürs Auge auch noch eine ganze Menge geboten - die Formation bewegte sich auf der Hallenfläche ebenso beschwingt wie die von ihr interpretierte Musik. Im Anschluss wurden Hits von Frank Sinatra zum Besten gegeben - und zwar mit einem Sänger aus den eigenen Reihen. Einfach nur toll, ein fantastischer Klangkörper. Die amerikanischen Musiker machten einen sehr lockeren Eindruck, so wurde Markus auf dem Weg zur Toilette in der Pause von einem Musiker auch gleich angesprochen: ein junger Mensch! Da ist ein junger Mensch! Zur Erläuterung: das Publikum bestand überwiegend aus älteren Zuschauern (60 +). Leider haben nur wenige junge Menschen den Weg in die Halle gefunden. Den Abschluss bildete ein Ausmarsch mit De Sousa, der mit einem Sousaphon (amerikanisches "Gegenstück" zur Tuba) durch einen Musiker besonders begleitet wurde: was der Mann mit dem riesigen Instrument auf der Fläche da "abgetanzt", gesprungen und dabei gespielt hat, das war kaum zu glauben. Ein spritziger Auftritt einer unterhaltsamen Formation.

Als letztes Orchester spielte das Zentralorchester der Tschechischen Armee unter Leitung des bereits erwähnten Oberstleutnants Viliam Beres. Auch die Tschechen präsentierten ein musikalisch einwandfrei abgeliefertes Programm. Der eher traditionell gestaltete Vortrag war ohne Makel, die Stücke waren einfach nur gut präsentiert. Dieses Orchester war meine persönliche Nummer 2 unter den beteiligten Gruppen. Man konnte sich lebhaft vorstellen, dass diese Formation in der Tschechischen Republik das Zentralorchester ist.

Das große Finale mit allen beteiligten Gruppen lieferte einen würdigen Abschluss - 350 Profis, die miteinander Musik machen. Amazing Grace war das Stück, wo dann auch die Schotten sowie der deutsche Chor mitmachen konnten - ein toller Klang. Das von einem Dudelsack zu Beginn vorgetragene Solo war zunächst etwas wacklig in der Intonation, es wurde dann aber umso besser. Der Radetzky-Marsch und Alte Kameraden zum Ausmarsch bildeten dann den Abschluss eines tollen Konzertes. Bedingt durch das Publikum und der unseligen Tradition, zum Ein- und Ausmarsch einer Formation möglichst mit zu klatschen, wurden leider einige Stücke wie z.B. die zuletzt erwähnten Märsche ein wenig "kaputt geklatscht", aber dafür können die Musiker nichts.

Im nächsten Jahr wird es wieder eine derartige Tournee geben - und Bielefeld steht wieder auf dem Programm. Am 28. Januar 2006 wird es an gleicher Stelle eine Musikparade geben. Informationen/Vorbestellungen sind möglich via Telefon (01805 - 602260) oder über das Internet unter www.bundesmusikparade.de.

Ich bin aller Wahrscheinlichkeit nächstes Jahr wieder da und werde in einer der nächsten Proben schon einmal anfragen, wer Interesse hat (Frühbucherrabatt bis 31.3.2005). Es lohnt sich - da kann man sich die Fahrt nach Bremen zur Musikschau der Nationen eigentlich sparen, wenn man Ähnliches quasi fast vor der Haustür haben kann!

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Quelle: http://www.Musikkapelle-Iggenhausen.de | © by Christian Hölscher 1998 bis 2017

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